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SCHLOSS STOLPE

Sommerprogramm 2017

Trotz intensiver Suche in diversen Archiven fehlen bisher schriftliche Quellen zur Baugeschichte von Schloss Stolpe. Deshalb wurde der historische Ablauf aus der Befundlage des Baus hergeleitet.
Im Ergebnis lassen sich folgende Haupt- Bauphasen unterscheiden, die in den Grundrissen der Geschosse farbig markiert sind.
Obergeschoss
Erdgeschoss
Dachgeschoss
Kellergeschoss
1. Bauphase: 1570 - 1600
2. Bauphase: 1690 - 1700
3. Bauphase: Beginn 19. Jh.
4. Bauphase: 1895 - 1907
5. Bauphase: nach 1945, entfernt nach 2000
Abb. 1: Grundrisse von Schloss Stolpe auf Usedom
doku_ostgiebel
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Abb. 2: Nordost-Giebel, Dokumentation des Mauerwerkes
durch A. Lutze und D. Brand, 2002 – 2004
Abb. 3: Nordost-Giebel
Rekonstruktion der Renaissance-Bauelemente
1. Bauphase: 1570 - 1600
(HochRenaissance)

An der Nordostfassade finden sich stilisti-
sche Kriterien, die für die Hochrenaissance des 16. Jahrhunderts typisch sind:
Backsteinlagen ehemaliger Gesimse, flach bogenförmige Überfangung der Blend- und Öffnungsgliederungen, Reste von Blend-
fenstern und Öffnungen für den Treppen-
turm, die in der Dokumentation und ersten Rekonstruktion dargestellt sind.
(Abb. 2 und 3)

 
Der zweigeschossige Renaissance-Kernbau ist im Mauerwerk weitgehend erhalten, er hat einen rechteckigen Grundriss mit süd-
lich vorgelagertem Querbau. Besonders in den Räumen des Obergeschosses finden sich Wandarkaden des 16. Jh.
(Abb. 4)

 
Ältere Bauelemente wurden bisher nicht festgestellt. Die Familie von Schwerin lebte aber nachweislich seit 1321 auf Stolpe.
Hölzer der Dachkonstruktion lassen vermuten, dass das Gebäude im 30- jährigen Krieg teilweise zerstört wurde.
 
2. Bauphase: 1690 - 1700
(Barock)

Zwischen 1690 und 1700 wurde das Herrenhaus im Barockstil wieder auf- und umgebaut. Renaissance- wurden durch Barockelemente ersetzt. Dazu wurden Blendgiebel und Gesimse entfernt. Der komplett erhaltene abgewalmte Dachstuhl wurde in dieser Zeit errichtet, wie dendro-
chronologische Untersuchungen ergaben.
(Abb. 5)
 
Die Anordnung der ursprünglichen Fenster blieb erhalten. Zu Umbauten im Inneren sind noch bauhistorische Untersuchungen erforderlich. Erhalten sind die barocken Supraporten der Türen in der Halle.
(Abb. 10)

 
3. Bauphase: Beginn des 19. Jahrhunderts

Verknüpft mit mehrfachem Eigentümer-
wechsel sind kleinere Umbauten vorge-
nommen worden, z.B. Vergrößerung der Fenster im Erdgeschoss. Gleichzeitig dürfte der Vorbau des Haupteingangs mit Kreuz-
gratgewölbe errichtet worden sein. Ob die Haupttür aus dieser Zeit stammt, werden weitere Untersuchungen ergeben.
 
4. Bauphase: 1895 - 1907
(Historismus)

Mit Übernahme des Stolper Gutes durch Graf Friedrich von Schwerin wurden 1895- 1907 um-fangreiche Um- und Erweiter-
ungsarbeiten durchgeführt, da der vor-
handene Bau nicht den Vorstellungen der Besitzer entsprach. Das schlichte barocke Gutshaus wurde zu einem beeindrucken-
den historistisch-romantischen Schloss umgebaut.
 
Im ersten Bauabschnitt erfolgten der An- und Einbau von 3 Türmen sowie eines Arkadenganges mit Rundbogenfenstern und mittigem Portal auf der Eingangsseite. Gleichzeitig wurde das Gebäude nach Westen erweitert
(Abb. 6, 7 und 8)
.
Mit dem Umbau wurden die Fenster vergrößert und die früheren Öffnungen erweitert
(Abb. 3 und 4)
.
 
Im Inneren fanden umfangreiche Umbau-
ten statt. So wurde die Eingangshalle neu gestaltet, die umlaufende Galerie und eine geschwungene Treppe eingebaut.
(Abb. 9)
 
Die durch die Treppe verdeckte Tür weist darauf hin, dass die ursprüngliche Treppe schmaler gestaltet war. Die ursprünglich barocken Türen wurden durch neobarocke ersetzt.
 
Lediglich die Supraporten sind noch, wenn auch schwer beschädigt, original erhalten.
(Abb. 10)

 
Im Querbau wurde die Decke gehoben. Dadurch reichen die ursprünglichen Renaissance-Fensternischen im Oberge-
schoss bis an den Fußboden.
(Abb. 11)
.
 
Der Einbau des Hauptturms erforderte umfangreiche Stützmaßnahmen im Dachgeschoss. Im zweiten Bauabschnitt erfolgten der Saalanbau mit neobarocker Stuckdecke und rückwärtiger Wandnische, die Erhöhung des Nordostturmes und eine teilweise Aufstockung des Arkadenganges.
(Abb. 12)
 
5. Bauphase: nach 1945,
entfernt nach 2000

In den Jahren nach Ende des 2. Welt-
krieges begann der bauliche Niedergang des Schlosses. Aus kommunistisch- ideologischer Sicht sollte dem Gebäude das Aussehen eines Schlosses genommen werden. Deshalb wurde 1949 der Mittelteil abgebrochen und 1974 die markanten Türme abgetragen.
(Abb. 13)
 
Die reich gestaltete Fassade wurde begradigt sowie Türen und Fenster verändert. In den folgenden Jahren entstanden durch mangelnden Bauunterhalt schwerste feuchtig-
keitsbedingte Bauschäden.
Das Schloss war akut vom Verfall bedroht.
(Abb. 14)

 
Quelle:
A. Lutze, D. Brandt
Bauhistorische Untersuchungen am Nord- Ost-Giebel des Schlosses Stolpe/Usedom. Usedom-Wolliner Blätter 4 (2002) Verlag Störr, Ostklüne
Wandarkaden
Abb. 4: Wandarkaden aus dem 16. Jh.
mit Fenstern aus dem 19. Jh.
Dachstuhl
Abb. 5: Blick in den Dachraum mit Dachstuhl (17. Jh.)
Abb. 6: Älteste Abbildung des Schlosses um 1900, Garten- seite noch ohne Saalanbau und mit unvollendetem Ostturm
Abb. 7: Vollendete Gestaltung der Gartenseite
des Schlosses um 1900 mit Saalanbau
Abb. 8: Hauptfront mit Türmen, Arkadengang und dem Verlängerungsbau nach Westen (1949 abgerissen)
Abb. 9: Eingangshalle mit umlaufender Galerie
und geschwungener Treppe (Foto: Juni 2002)
gartenseite1900
eingangshalle
Abb. 11: Raum im Obergeschoss des Mittelrisaliten.
Ursprüngliche Renaissance-Fensternische mit späterem Fenstereinbau. Fußboden und Decke sind gehoben
(Foto: Juni 2002).
Abb. 12: Neobarock gestalteter Saal
mit Deckenstuck und Wandnische
(Foto: Juni 2002).
saal1
Abb. 13: Zustand des Schlosses 1976
Abb. 10: Barocke Supraporte mit neobarocker
Tür in der Eingangshalle (Foto: Juni 2002)
supraporte
gartenseite1900_3
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Abb. 14: Das vom Verfall bedrohte Schloss Stolpe, Südostansicht im Jahre 1989
zustand1976
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EG_klein
OG_klein
DG_klein
Zum Vergrößern bitte anklicken!
Baugeschichte
Schloss Stolpe um 1900 digital von Thomas Ladwig
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